Limpia, fija y da esplendor: die Real Academia und das Diccionario de Autoridades

Heute empfehlen wir Ihnen einen sehr lesenwerten Beitrag von Manuel de Campo aus dem Blog „European languages across borders“ der Kolleginnen der Universitätsbibliothek von Cambridge.

The Diccionario de la lengua castellana (1726-1739), later known as Diccionario de autoridades, was the first modern Spanish lexicographical work. The Real Academia Española (RAE) was founded in 1713 under the royal auspices and the first generation of academics decided to record the Spanish vocabulary following the example of the language academies in Paris and […]

über The feat of the Real Academia Española’s first dictionary (part 1) —

Und hier geht es zum zweiten Teil des Artikels.

Die im Text erwähnten Wörterbücher und Grammatiken des 17. und 18. Jahrhunderts sind in der Biblioteca Digital Hispánica verfügbar.

 

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Klänge der Welt: Die Schallplatten von Folkways Records

Gastbeitrag von Nicolas Bock

Die Phonothek des IAI sammelt, wie schon in vorangegangenen Artikeln thematisiert, verschiedenste Arten von Tonträgern, Tonaufzeichnungen und Mitschnitten lateinamerikanischer und iberischer Musik. Einen besonderen Stellenwert in dieser Sammlung nehmen die Schallplatten des Labels Folkways Records ein. Das Label wurde 1948 vom New Yorker Produzenten Moses Asch gegründet, der sich vor allem die Verbreitung von nicht-kommerzieller Musik  zum Ziel setzte. In dieser Zeit verlegten später weltberühmte US-Amerikanische Folksänger wie Woodie Guthrie oder Pete Seeger ihre ersten Platten bei Folkways Records, jedoch auch andere Sänger und Bands aus aller Welt kamen in die Studios von Asch. So entstand das wahrscheinlich erste Label für das erst später bekannt werdende Genre der Weltmusik. Da Folkways Records und das 1987 daraus hervorgehende Label Smithsonian Folkways auch Folkloremusik, religiöse Lieder, indigene Musik und Gesänge, sowie politische und Protestsongs aus fast allen Regionen Süd- und Mittelamerikas sowie Spanien produzierte, entstand eine einzigartige Sammlung an Platten, welche heutzutage das musikalische und kulturelle Erbe ganzer iberoamerikanischer Volksgruppen und Länder widerspiegelt.

Besonders interessant sind hierbei die Aufnahmen von indigener Musik. So besitzt das IAI die 1983 erschienene Platte The Pipil Indians of El Salvador mit Gesänge der Pipil aus El Salvador . Diese Ethnie, die seit den 1930er Jahren systematische Unterdrückung und Entkulturalisierung durch Staat und Gesellschaft erfahren musste, versucht seit der Jahrtausendwende wieder über Projekte und Schulunterricht die eigene Sprache und Kultur wiederzubeleben, da es zwischenzeitlich nur noch einige hundert Sprecher der Pipil-Sprache Nawat gab. Auch verschiedene Gesänge der Palikur- und Yekuanavölker sind durch Folkways Records produziert und verewigt worden. Der Stellenwert dieser und anderer Tonträger, welche Musik und Gesänge teilweiser bedrohter oder erst langsam wieder aufkommender indigener Sprachen dokumentiert, ist dementsprechend hoch.

Auch Platten mit vornehmlich politischem Inhalt fanden Eingang in die Produktpalette von Folkways. So wurden beispielsweise Lieder von politischen Häftlingen während der Franco-Diktatur in Spanien ebenso verlegt, wie katalanische Protestlieder und Musik des spanischen Bürgerkrieges. Die Platte Songs of the Spanish Civil War (aus dem Jahre 1962) beinhaltet unter anderem Lieder von Ernst Busch und Woodie Guthrie, außerdem weitere Lieder der multikulturellen und mehrsprachigen Internationalen Brigaden, wie die Lieder La Guardia Rossa und Wie hinterm Draht.

Zur Platte Al Tocar Diana, die vor allem Lieder von Gefangenen der Franco-Diktatur beinhaltet, liegt außerdem ein Informationsheft bei, aus dem Songtexte sowie Hintergrundinformationen zur Entstehung, den Autoren und dem Inhalt der Lieder hervorgehen. Dies verdeutlicht, dass Folkways Records durchaus auch einen pädagogischen Ansatz verfolgte, der sich bis heute gehalten hat.

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Die vielseitigen Aufnahmen, Vertonungen und Überlieferungen historischer, kulturell bedeutender und ethnologisch relevanter Musik, die sonst wohl kaum ein Plattenlabel so intensiv verfolgte wie Folkways Records, bilden somit eine wertvolle Sammlung innerhalb der Bestände der Phonothek des IAI. Durch sie ist es dem Institut möglich, den Benutzerinnen ergänzend zu den Buch- und Filmbeständen auch Audio-Material zugänglich zu machen, auf welches sie sonst nicht zurückgreifen könnten.

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Wie die Karibik nach Flensburg kam

Segelschiffe randvoll beladen mit Zucker und Rum machten im 18. und 19. Jahrhundert im Flensburger Hafen fest. Sie kamen aus Dänisch-Westindien von den Inseln St. Thomas, St. Croix und St. John und brachten die Handelsware von den karibischen Plantagen und Manufakturen zur Veredlung nach Europa. Flensburg – damals eine dänische Stadt, wie auch Altona bei Hamburg – erlebte dadurch eine wirtschaftliche Blüte. An die Zeit der Westindienfahrer und der ausbeuterischen Plantagenwirtschaft erinnert heute der Rundgang auf der Rum & Zucker Meile.

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Frederik von Scholten (1784 – 1854): The Høgensborg estate on St. Croix, Danish West Indies (1838). Photo: M/S Museet for Søfart – Maritime Museum of Denmark .

Dänemark begeht dieses Jahr das sogenannte Centennial: 1917 verkaufte es die Inseln St. Thomas, St. Croix und St. John an die USA, seither bilden die Inseln die Amerikanischen Jungferninseln. Seit 1666 hatte es dort dänische Handelsniederlassungen gegeben, 1754 bemächtigte sich die dänische Krone der Inseln.

Mit dem Centennial bringen verschiedene dänische, karibische und US-amerikanische Institutionen nun diesen Teil der Kolonialgeschichte ins öffentliche Bewußtsein zurück. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Dänische Nationalarchiv, das seine Materialien zu Dänisch-Westindien komplett digitalisiert hat und seit März 2017 freien Zugriff ermöglicht. So haben HistorikerInnen aus der Karibik erstmals Zugriff, ohne die lange Reise nach Kopenhagen auf sich zu nehmen und Familien aus der Karibik können ihren Ursprüngen nachgehen. Über die heutigen Auswirkungen des Kolonialismus, über die neu gewonnene Präsenz der Kolonialgeschichte und über die Bedeutung des Nationalarchivs und seiner Aktivitäten berichten karibische und dänische Intellektuelle und KünstlerInnen z.B. in mehreren Features des Deutschlandfunk.

Das IAI stellt seinen NutzerInnen mit Caribbean History and Culture und Caribbean Newspapers zwei große Datenbanken zur Verfügung, die sprach- und nationenübergreifende Forschung zur Karibik ermöglichen. Auch die detailreichen Schilderungen des Herrnhuter Missionars Christian Georg Andreas Oldendorp von 1777 sowie sein Wörterbuch finden sich im Original, im Reprint und als elektronische Ausgaben im Bibliothekskatalog des IAI.

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Klänge eines Kontinents

Gastbeitrag von Nicolas Bock

Läuft man einmal quer durch den Lesesaal, betritt einen Gang links neben der Ausleihtheke und geht durch die Flure des IAI, findet man sie in der Ecke des Gebäudes: die Phonothek des Ibero-Amerikanischen Instituts. Hier lagern Tonträger eines gesamten Jahrhunderts der lateinamerikanischen Musikgeschichte, von Schellackplatten aus dem Jahre 1903 bis zu moderner lateinamerikanischer Musik. Alle Länder der iberoamerikanischen Welt, alle Genres und alle Arten von Tonträgern, in der Gesamtzahl fast 38.000, sind hier vertreten. Kubanische Salsa, argentinischer Tango, Corridos aus Mexiko, Naturgeräusche und ethnologische Tonaufnahmen aus dem Amazonas – die Vielfalt der Sammlung ist außerordentlich.

Ein Musiktyp, der die Geschichte Lateinamerikas über die Zeit hinaus begleitet wie kein anderer, ist jedoch die Musik der Revolutionen und der linken Bewegungen. Als Kontinent, in dem fast jedes Land mindestens eine Militärdiktatur erdulden musste, welcher bis heute ein großes Sozialgefälle aufweist und auf so viele Revolutionen und Guerillakriege ausgerufen und ausgefochten wurden, begleitet diese Art der Musik die Region bis heute – quer durch Zeit, Raum und Genres. Beim Arbeiten mit den Beständen des IAI oder beim Durchforsten der Kataloge fallen einem immer wieder Schallplatten oder CDs in die Hände, deren Aufmachungen und Titel Zeugen dieser Bewegung sind.

Eine Häufung an Revolutionsliedern und deren Interpreten trat in den 70er und 80er Jahren auf, als in fast allen Ländern Lateinamerikas entweder Militärdiktaturen herrschten oder Revolutionen ausbrachen. Einige Interpreten übten über Ländergrenzen und Kontinente hinweg eine enorme Strahlkraft aus. Der vielleicht berühmteste von ihnen war der chilenische Kommunist und Sänger Victor Jara, der 1973 während Pinochets Militärputsch ermordet wurde. Seine Musik wurde im gesamten lateinamerikanischen Raum rezipiert und die von ihm mitbegründete musikalische Strömung der Música Nueva weltbekannt. Das IAI besitzt Schallplatten aus seinen Anfängen, wie die folkloristische Platte Cantos y danzas de la Zona Central seiner anfänglichen Gruppe Conjunto Concumén, mit vielen Liebesliedern, aber auch solistische Platten wie das Album Canto por travesura. In seinen Liedern, zumeist poetischer Natur und zu leicht melancholischer Gitarrenmusik vorgetragen, besingt Jara soziale Probleme und Ungleichheiten, formuliert Anklagen an Politik und Gesellschaft und vertont dabei seine Liebe zu Chile und seiner Bevölkerung.

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Platten und CDs wie Tributo a Victor Jara oder Konzert für Victor Jara aus dem Jahre 1998, in denen chilenische Interpreten wie Inti Ilimani und Isabel Parra, aber auch deutsche Sänger wie Hannes Wader oder Hamid Baroudi in Gedenken an Victor Jara spielen, zeigen Inspiration und Wirkung weltweit.

Ähnlich und doch anders stellt sich die Musik des berühmtesten nicaraguanischen Sängers und Liedermachers Carlos Mejía Godoy dar. Auch seine Musik lässt sich der Música Nueva zuordnen, sie war ebenso wie die Musik Jaras folkloristischer Natur, jedoch transportierte er in seinen Liedern eher die in der jungen nicaraguanischen Revolution vorherrschende Aufbruchsstimmung. Vielfach als die Stimme der sandinistischen Bewegung und Partei FSLN (Frente Sandinista de Liberación Nacional) wahrgenommen, sang er Lieder über die Helden der Revolution (Comandante Carlos Fonseca, Las mujeres del Cua), den Kampf gegen die Somoza-Diktatur (No se me raje mi compa, La consigna) und allgemein über Nicaragua als Land, in dem während der Revolution alles möglich erschien (Nicaragua nicaragüita). Einige dieser Lieder erfreuen sich heute noch größerer Beliebtheit im Lande oder sind fest in das Repertoire der Volkslieder Nicaraguas eingegangen.

Anhand von Kopien, Neuauflagen oder durch die sandinistische Revolution angeregten Platten aus der Bundesrepublik und der DDR lässt sich überdies das Interesse und die Verbundenheit sowohl des sozialistischen deutschen Staates als auch der linken westdeutschen Bewegung mit der Revolution nachzeichnen. So befinden sich unter anderem Platten wie Nikaragua, einer Amiga-Schallplatte der VEB Dt. Schallplatten, aber auch die Platte Lieder zur Alphabetisierungskampagne in Nicaragua des Wuppertaler Informationsbüros Nicaragua e.V. im Besitz der IAI-Phonothek. Auf beiden ist Carlos Mejía Godoy ausgiebig vertreten, in der letzteren Platte unter anderem mit seinem Lied Himno de alfabetización.

Oftmals eher am Rande von Forschung und Lehre angesiedelt, führt Beschäftigung mit der lateinamerikanischen Revolutions- und Protestmusik zu Kenntnissen über Zeitgeist und Ideen der linken Bewegungen in Lateinamerika, jenseits von Manifesten und Büchern. Wer den Kontinent Lateinamerika, seine Menschen, seine Identität und seine Probleme kennenlernen und verstehen möchte, der sollte sich seine Musik anhören. Ein großer Teil davon befindet sich in den Räumen hinter dem Lesesaal, in der Phonothek des IAI.

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Karten, die Geschichte erzählen

Gastbeitrag von Nicolas Bock

Von der portugiesischen Kolonie Goa bis hin zum Kap Hoorn – in der Kartensammlung des IAI findet man neben aktuellen Karten und Plänen auch viele historische Karten. Die Kartensammlung des IAI umfasst ca. 1.500 Atlanten sowie 74.000 gedruckte Karten. Von diesen fallen 2.400 in den Bereich der historischen Karten bis zum Jahre 1850. Die meisten dieser Karten sind mittlerweile über die Digitalen Sammlungen zugänglich. Die Relevanz der Kartensammlung des IAI hat mehrere Gründe. So kann man anhand der Karten nicht nur historische Prozesse der Entdeckungen, Landvermessung und Kolonisation nachvollziehen, sondern auch politische Entwicklungen und Einflüsse der vergangenen Jahrhunderte beobachten.

Ein interessantes Beispiel hierfür sind die historischen Karten Nicaraguas. Das zentralamerikanische Land erkämpfte sich im Jahre 1838 die Unabhängigkeit der Kolonialmacht Spanien und der postkolonialen Nachfolgestaaten, musste sich in den folgenden beiden Jahrhunderten jedoch fortwährend gegen die Einflussnahme Großbritanniens und der Vereinigten Staaten erwehren. Diese zeigten besonderes Interesse am Bau eines interozeanischen Kanals, welcher zwar schlussendlich durch Panama gezogen wurde, ursprünglich jedoch durch Nicaragua führen sollte. Zeugnisse dieser Pläne sind unter anderem im Kartenarchiv des IAI zu finden.

Chart to accompany Thompson's Official Visit to Guatemala Altkar

Die abgebildete Karte entstand nach der Zentralamerikareise des britischen Gesandten George Alexander Thompson im Jahre 1825 und zeigt Nicaragua in seinen Grenzen zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Beachtenswert ist hierbei, dass der Brite die Costa de Mosquitos, die Karibikküste des Landes, außerhalb der Grenzen Nicaraguas beließ. Während des gesamten 19. Jahrhunderts war dieser Küstenabschnitt ein hegemonialer Streitpunkt zwischen Nicaragua, Großbritannien, den USA sowie den dort sesshaften indigenen Völkern, der zu Interventionen, Annexionen und kleineren Kriegen führte. Ein weiteres bemerkenswertes Detail findet man im Karteneinschub unten links: dort wurde eine Art „hypothetische Karte“ gezeichnet, die den bis heute nicht existierenden Durchbruch zwischen Nicaraguasee (Lago Cocibolca) und Pazifik zeigt und Aufschluss über die geopolitischen Absichten der Kolonialmacht und den Zweck der Reise Thompsons durch das Zentralamerikanische Land gibt. Diese werden sowohl durch den zugehörigen Kartentext, als auch durch den Reisebericht Thompsons an die Krone ersichtlich. Dieser Bericht Narración de una visita oficial a Centroamérica en 1825 ist in der Bibliothek des IAI verfügbar. Auch wenn der Kanalbau, wie unter anderem in dieser Karte von Thompson dargestellt, bis heute nicht vollendet wurde, blieb er im Zeitalter des aufkeimenden Imperialismus aktuell. So zeichnete William R. Palmer vom U.S. Coast Survey der Vereinigten Staaten Jahre 1856 eine nahezu gleich verlaufende Route durch seine Karte Nicaraguas:

Map Of Central America Altkarten-Projekt des IAI

Neben der von Thompson vorgeschlagenen Route Rio San Juan – Nicaraguasee – Puerto San Juan zeichneten die Kartographen jedoch noch eine weitere mögliche Route über den kleineren Managuasee (Lago Xolotlan) bis zum Fonseca-Golf in Nicaraguas Norden ein. Schwer lesbar, jedoch bei genauerem Hinsehen neben den betreffenden Karteneinschüben erkennbar, befinden sich die beiden Erläuterungen zum geplanten Routenverlauf. Für die USA war der Bau des Interozeanischen Kanals von hoher Bedeutung, da er der US-Schifffahrt eine schnellere Route New York – San Francisco ermöglicht hätte. Bis zum Bau des Panamakanals konnten die Schiffe nur die langwierige Strecke über das Kap Hoorn befahren, die einmal um den gesamten Kontinent herumführte.

Bis heute haben sich die Pläne zum Bau eines Interozeanischen Kanals als Abkürzung für die Schifffahrt in Nicaragua gehalten: Seit 2013 plant die nicaraguanische Regierung, den Kanal in Kooperation mit China zu bauen. Die historischen Pläne, mitsamt den geopolitischen Ent- und Verwicklungen, sind in den Landkarten der Sondersammlungen im IAI erhalten und machen die Kartensammlung somit zu einem einzigartigen Mittel der geopolitischen und historischen Dokumentation sowie der Forschung.

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Der Bücherbus rollt

Gastbeitrag von Nicolas Bock

Der heutige Beitrag führt uns nach Nicaragua, genauer gesagt zur Biblioteca Alemana-Nicaragüense in der Hauptstadt Managua. Die Deutsch-Nicaraguanische Bibliothek stellt eine wichtige kulturelle Brücke zwischen Deutschland und Nicaragua dar: Grundidee der von Elisabeth Zilz im Jahr 1993 gegründeten Einrichtung war die Versorgung des vom Bürgerkrieg geschundenen Landes mit Literatur. Diese Initiative fiel auf äußerst fruchtbaren Boden, da die von der sandinistischen Regierung angestrebte Alphabetisierungskampagne der Bevölkerung zwar Erfolg hatte, die Versorgung von Schulen mit Büchern und das öffentliche Bibliotheksnetz jedoch unzureichend waren.

Da dieser Zustand teilweise bis heute anhält, ist die Deutsch-Nicaraguanische Bibliothek seit ihrer Gründung wichtiger Bestandteil für viele Kinder und Erwachsene, die sonst von Literatur und anderen Medien abgeschnitten wären. Mit 14.000 Büchern aus allen Gebieten, 65 Benutzerplätzen und regelmäßigen Kulturveranstaltung bereichert die öffentliche Präsenzbibliothek somit die literarische und kulturelle Angebotspalette von Managua. Ein Großteil der Bücher sind sowohl Schulbücher als auch deutsche Kinderbücher in spanischer Sprache – was nahe liegt, da die Bibliothek vor allem bei Kindern und Schülern beliebt ist. Sie finden hier auch Hausaufgabenhilfe sowie Möglichkeiten der Freizeitgestaltung vor, die sie in ihrer Umgebung sonst wohl vergeblich suchen würden. Die Kinderbücher erleichtern jedoch auch Erwachsenen das Lesen lernen. Auch klassische Deutsche sowie Nicaraguanische Literatur finden sich in der Einrichtung – natürlich in der spanischen Übersetzung.

© Thomas Strohjohann, Biblioteca Alemana-Nicaragüense

Besonders viel Aufmerksamkeit zieht auch die mobile Bibliothek „Bibliobús Bertold Brecht“ auf sich. Seit 1987 – noch vor der Gründung der eigentlichen Bibliothek – versorgt er entlegene Gegenden des Landes, jedoch auch Haftanstalten mit Büchern. Menschen, die sonst kaum eine Möglichkeit hätten zu lesen, bekommen so die Gelegenheit sich weiterzubilden oder einen Moment ihrer Realität entfliehen zu können. In dem Kasten-LKW von Toyota werden jährlich circa 9000 Bücher verliehen. Das ganze Jahr über fährt der Bücherbus quer durch das Land zu den jungen und erwachsenen Lesern – über Staubpisten, durch den Dschungel und die bergigen Hochtäler Nicaraguas.

Finanziert werden Bibliothek und Bücherbus dabei durch Spenden, die in Deutschland durch den Entwicklungshilfeverein Pan y Arte gesammelt werden. Die Bücher werden zumeist durch Spenden und Schenkungen akquiriert. Auch die freiwillige Mitarbeit bei der Bibliothek ist wichtig – so ist es zum Beispiel möglich, Praktika beim Projekt zu absolvieren.

Wenn Sie mehr über die Biblioteca Alemana-Nicaragüense erfahren wollen, können Sie die Website der Einrichtung besuchen.

 

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„30-30“ – eine Zeitung der Mexikanischen Revolution

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„Colaboración en mexicano la aceptaremos si viene ajustada a los principios de la Revolución“: In dieser Fußnote auf der letzten Seite der mexikanischen Zeitung „30-30“ faßt ihr Herausgeber Isidor Lara die Prinzipien des Blattes zusammen. Die Zeitung, die ihren Namen von der weit verbreiteten Repetierbüchse Winchester 30-30 hatte, setzt sich für die politischen und sozialen Ideale der mexikanischen Revolution ein und ist strikt zweisprachig: die Texte erscheinen in zwei Spalten, eine davon in Nahua, die andere in Spanisch.

Isidro Lara, Drucker und Verleger, geriet nach der Decena Trágica im Jahr 1913 immer wieder mit der Zensur in Konflikt. Im September 1913 wurde er vorübergehend festgenommen und zu einer Haftstrafe verurteilt, dann aber überraschend nach wenigen Tagen freigelassen (vgl. Manuel Servín Massieu: Tras las huellas de Urrutia. México, 2005, p.99-101).

Die Geschichte der Zeitung „30-30“ ist unklar. Im Aufsatz „Los carraclanes“, in dem seine Söhne Miguel und Spencer Lara Ruiz das Leben und politische Engagement ihres Vaters beschreiben (in: Alicia Olivera Sedano, Mi pueblo durante la Revolución, México, 2010, S.127-163), werden zahlreiche Ausgaben aus den Jahren 1915 und 1916 mit genauen Daten erwähnt. Auch beschreiben seine Söhne, daß Isidro Lara bei seiner Verhaftung 1913 an der zweiten Nummer der Zeitung arbeitete. Andererseits trägt die Ausgabe vom 16. Dezember 1916, die das Ibero-Amerikanische Institut jetzt antiquarisch erwerben konnte, die Aufschrift „Tomo 1, Núm 1“.

Mitherausgeber von „30-30“ ist Samuel Ramos, der auch für den Vertrieb – angeblich wurde 28.000 Exemplare gedruckt – zuständig  ist. Die Übersetzungen der spanischen Texte ins Nahua stammen von Sixto Tlapanco, der sich bereits als Übersetzer literarischer Werke einen Namen gemacht hatte.

Bisher konnte der Erscheinungsverlauf von „30-30“ in der Herausgeberschaft von Isidor Lara noch nicht geklärt werden. Erschwerend kommt hinzu, daß dieser Titel zur Zeit der Mexikanischen Revolution wie auch die gleichnamige Waffe durchaus beliebt war und es ab 1911 mindestens zwei weitere Zeitungen in Tuxtla Gutiérrez und Aguascalientes mit demselben Namen gibt. In Deutschland ist die Ausgabe der Zeitung, die das Ibero-Amerikanische Institut besitzt, ein Unikat.

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