Von Prinzen, Büchern und Deutschen in Suriname

Pikin Prensi

Dieses Titelbild kennen Sie sicher. Wenn Sie das Buch aufschlagen, lesen Sie

Kapitri Wan

Wanleisi di mi ben sa abi wan siksi yari so, mi si wan prenki ini wan buku fu owru busi di ben tyari a nen fu „Tru Tori“.

Das ist Sranantongo, eine Kreolsprache aus Suriname. Sie entstand im 18. Jahrhundert in der niederländischen Kolonie in Guyana, mit Elementen aus west- und zentralafrikanischen Sprachen, Portugiesisch, Niederländisch und Englisch. Heute wird Sranantongo von einem Großteil der Bevölkerung in Suriname gesprochen, dient als lingua franca zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen und wird in politischen Reden als Symbol nationaler Identität verwendet. Es gibt ca. 600.000 SprecherInnen, bei ca. 100.000 von ihnen ist Sranantongo die Muttersprache.

Seit dem späten 19. Jahrhundert wird Sranantongo als Schriftsprache in der Literatur verwendet, inzwischen verfügt es über eine vereinheitlichte Orthographie und ein Wörterbuch.

In der Bibliothek des Ibero-Amerikanischen Instituts finden Sie Wörterbücher, Grammatiken und Sprachlehrbücher zum Sranantongo, aber auch belletristische Texte wie Erzählungen und Romane sowie Übersetzungen. Wenn Sie mehr über Sranantongo sowie über Bücher, Kultur und Geschichte Surinames lesen wollen, besuchen Sie das (niederländischsprachige) Blog „Buku – Bibliotheca Surinamica“  von Carl Haarnack. Der Autor hat außerdem auch zur Geschichte der Deutschen in Suriname  zwischen 1650 und 1900 geforscht.

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35.000 Dokumente der CEPAL im Open Access verfügbar

Die CEPAL (Comisión Económica para América Latina y el Caribe), eine Organisation der Vereinten Nationen, produziert seit ihrer Gründung im Jahr 1948 Bücher, Zeitschriften, Statistiken, Jahrbücher, Arbeitspapiere und andere Dokumente. Aktuell sind es über 35.000 Titel mit zusammen 2,5 Mio. Seiten, die auf dem in Chile betriebenen Server der CEPAL digital abrufbar sind. Sie stammen von mehr als 8.000 Autorinnen und sind in bisher fünf Sprachen verfaßt.

Wenn Ihnen von diesen Zahlen ganz schwindelig wird, können  Sie hier in einem Video die wichtigen Fakten sehen

Das Ibero-Amerikanische Institut hat die bibliographischen Daten nun in seinen Online-Katalog eingespielt. Über einen Link ist das jeweilige Dokument im Volltext frei zugänglich. Die Nutzerinnen und Nutzer können nach Autornamen, Titel oder spanischen sowie englischen Schlagwörtern suchen und mit einem Klick online auf das Dokument zugreifen.

Das Repositorium von CEPAL ist das erste in einer Reihe von fünf großen lateinamerikanischen Open-Access-Repositorien, die das IAI in den kommenden Monaten im Rahmen des DFG-geförderten Fachinformationsdienstes Lateinamerika, Karibik und Latino Studies in seinen Katalog einbinden wird. Damit verbessern sich substanziell Sichtbarkeit, Recherche und Zugang zu Open-Access-Publikationen.

 

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Der Stierkampf in der Presse

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Die erste dem Stierkampf gewidmete Publikation, in Spanien als „revista de toros“ oder spezifischer „crónica taurina“ bekannt, erschien am 20. Juni 1793 im Diario Madrid unter dem Titel Estado que manifiesta las peculiaridades ocurridas en esta corrida und mit der anonymen Unterschrift „Un Curioso“. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts blüht dieses Genre mit Titeln wie La Tauromaquia, Las Cartas Tauromáquicas, El Clarín, El Enano, El Mengue, El Tábano und El Tío Jindama auf.  El Toreo startet zunächst als Beilage zur Theaterzeitschrift La Correspondencia Teatral und entwickelt sich dann zu einer eigenen lebendigen Publikation.

Die goldene Epoche der Stierkampf-Presse beginnt mit dem 20. Jahrhundert. Sol y Sombra, Don Jacinto taurino, La Corrida oder El eco taurino haben fünfstellige Auflagenzahlen. Die Berichterstattung nutzt jedoch auch das neue Medium Radio. Später entstehen im Fernsehen eigene Sendungen und heute gibt es spezialisierte Webseiten, Blogs und Podcasts. (Für einen sehr guten Überblick siehe María Verónica de Haro de San Mateo: El periodismo taurino en la Historia del Periodismo Español, in Historia y Comunicación Social, 18, 2013). „Periodismo taurino“ ist so zu einem eigenen Beruf geworden, für den in Spanien Studiengänge und Weiterbildungen angeboten werden.

Die Bibliothek des Ibero-Amerikanischen Instituts hat eine Reihe historischer revistas de toros und crónicas taurinas erworben, die – nicht nur mit ihren oft farbenprächtigen Titelbildern – einen bunten Einblick in die Geschichte des Stierkampfes und damit in die spanische Kultur und Gesellschaft des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts geben.

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Revista de La Habana

Romantischer Dichter und Schullehrer von José Martí: der Cubaner Rafael María de Mendive gehörte zu den wichtigen Intellektuellen des 19. Jahrhunderts auf der karibischen Insel. In den 1840er Jahren war er durch Europa gereist und nach seiner Rückkehr arbeitete Mendive bei verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen mit, darunter Guirnalda Cubana, Revista Habanera, Correo de la Tarde und Diario de La Habana. 1853 gründete er zusammen mit José Quintiliano García die Revista de La Habana, die aufgrund ihrer Konzeption und Rezeption auch „el monstruo editorial del Siglo XIX“ genannt wurde. Nach nur vier Jahren mußte diese literarische Zeitschrift aufgrund von politischen und verlegerischen Schwierigkeiten ihr Erscheinen einstellen.

Digitalisierte (Teil-)Versionen liegen u.a. in der Biblioteca Digital Cubana und bei Legado Cubano vor. Das IAI hat nun eine komplette Printausgabe dieser Zeitschrift erworben.
Die antiquarische Erwerbung von Zeitschriften, insbesondere literarische Zeitschriften und Kulturzeitschriften, stellt einen der Schwerpunkte in der Ankaufspolitik am IAI dar. Dabei werden stets aktuelle Forschungsprojekte und Strategien der digitalen Verfügbarkeit berücksichtigt, wie bei der Kooperation mit  „Revistas Culturales 2.0: Virtuelle Forschungsumgebung zur Erforschung spanischsprachiger Kulturzeitschriften der Moderne“ (Prof. Dr. Hanno Ehrlicher/ PD Dt. Nanette Rißler-Pika, Universität Augsburg). Am IAI ist diese Erwerbungsstrategie verknüpft mit den bisher zwei Phasen des Projektes „Kulturzeitschriften“ .

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1.000.000 Bücher in der Bibliothek

Auf dem XXI. Hispanistentag in München (29.3.-2.4.2017) erhielt das Ibero-Amerikanische Institut (IAI) heute abend das einmillionste gedruckte Buch für seinen Bibliotheksbestand als Geschenk. Es handelt sich hierbei um die von Óscar Loureda herausgegebene Geschichte des Deutschen Hispanistenverbandes, „La Asociación Alemana de Hispanistas (1977-2017)“.

In mehreren Kapiteln wird die enge Verbundenheit zwischen der Bibliothek des IAI, dem DHV und seinen Mitgliedern in der 40-jährigen Geschichte des Verbandes deutlich. Auch als Archiv und Dokumentationsstelle spielt das IAI eine wichtige Rolle, denn hier fand sich das einzige Exemplar der Nummer 0 (quasi der Probenummer) der „Mitteilungen des Deutschen Hispanistenverbandes“, das nun  im Buch abgebildet ist.

Die Eröffnungsfeier des Hispanistentages wurde musikalisch umrahmt von Liedern auf Spanisch, Zapotekisch und Nahuatl, vorgetragen von Graciela Rivera-Quiroz und begleitet am Flügel von Holger Berndsen.

 

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Delmira Agustini und „Vida Montevideana“

Die Delmira_Agustiniuruguayische Dichterin Delmira Agustini (1886-1914) gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen des frühen 20. Jahrhunderts, insbesondere des Modernismo, in Lateinamerika. Ihre ersten Gedichte verfaßte sie im Alter von 10 Jahren, außerdem zeigte sie ein großes musikalisches Talent, bekam Klavierunterricht und widmete sich unter Anleitung eines Lehrers auch der Malerei und Grafik. Als sie sich 1914 nach nur wenigen Monaten von ihrem Ehemann Enrique Job Reyes scheiden ließ, erschoß dieser Agustini und sich selbst. Die tragische Geschichte wurde ihrerseits zum Inhalt zahlreicher Romane, Gedichte, Lieder und Theaterstücke.

2013 begann die uruguayische Nationalbibliothek, die Manuskripte von Delmira Agustini zu digitalisieren. Daraus ist das Archivo Digital Delmira Agustini entstanden, das fünf der sieben berühmten Schreibhefte der Dichterin präsentiert. Außerdem steht auf den Seiten der Nationalbibliothek der Gesamtkatalog des grafischen Werks von Agustini zur Verfügung.

Vida montevideana

Zeitgleich erschien in Uruguay die Publikumszeitschrift Vida montevideana: Revista social ilustrada, die ein ganz anderes Gesellschafts- und Frauenbild vermittelte als dasjenige, das Delmira Agustini lebte. Vida montevideana präsentierte die „Galería de Bellezas Montevideanas“ mit den heiratsfähigen Damen der Gesellschaft und gibt uns noch heute ein umfassendes Panorama des damaligen Gesellschaftslebens. Das IAI konnte ein komplettes Set (46 Nummern) dieser seltenen Zeitschrift erwerben, die nun Forschungseinblicke in die Sozial- und Kulturgeschichte dieser Zeit ermöglicht.

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Die Bibliothek im 21. Jahrhundert

Gastbeitrag von Mike Heidenreich

Bis vor wenigen Jahren war die Vorstellung einer Bibliothek die einer umfangreichen, vor allem physischen Sammlung von Medien wie Büchern, Zeitschriften und Tonträger zu verschiedensten Themengebieten. Im Zuge der immer weiter voranschreitenden Digitalisierung unserer Gesellschaft wurde dieses Bild jedoch um einen wichtigen Aspekt ergänzt: die Bereitstellung umfangreicher Online-Ressourcen.

So hat die Bibliothek des Ibero-Amerikanischen Institutes (IAI) ihre zentrale Dienstleistung, die Bereitstellung von Medien und Informationen für ihre NutzerInnen, in den vergangenen Jahren in großem Umfang ausgebaut.

Mit dem kontinuierlich wachsenden Angebot elektronischer Zeitschriften und dem verbesserten Zugang zu Open Access Publikationen richtet die Bibliothek ihre Leistungen optimal auf die NutzerInnen aus und ermöglicht einen weltweiten Zugriff in Echtzeit auf ihre Bestände. Während der allgemeine Trend in Bibliotheken eine Abnahme der physischen Ausleihe von Büchern verzeichnet, steigt am IAI wie auch anderswo die Nutzung der Digitalen Sammlungen. Die Online-Aktivitäten verzeichnen für 2016 mit 11.523 BesucherInnen auf den Seiten der Digitalen Sammlungen (Eigendigitalisate des IAI) und 165.913 Seitenanzeigen im Vergleich zu 2015 einen Anstieg um 57% bzw. 80%.

Besonderer Beliebtheit erfreuen sich dabei die Digitalisate der historischen und fragilen Sondersammlungen, wie etwa das digitale Angebot historischer Karten, die Fotothek mit Bilddokumenten auf Glasplatten zu archäologischen, ethnographischen, historischen und länderkundlichen Themen aus der Zeit von ca. 1870 bis 1940, sowie der Nachlass (Karten, Reisetagebücher, Skizzen etc.) des deutschen Geographen Hans Steffen.

uebersicht_besucher_laenderverteilung

Dass die Digitalisierung der Bibliotheksbestände weltweites Interesse hervorruft, unterstreichen auch besonders die vielen Onlinezugriffe ausländischer WissenschaftlerInnen und Interessierter. So nutzte ein Großteil der Besucher die Angebote von Spanien aus, gefolgt von Zugriffen aus Deutschland, den USA, Argentinien und Mexiko.

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