Wie die Karibik nach Flensburg kam

Segelschiffe randvoll beladen mit Zucker und Rum machten im 18. und 19. Jahrhundert im Flensburger Hafen fest. Sie kamen aus Dänisch-Westindien von den Inseln St. Thomas, St. Croix und St. John und brachten die Handelsware von den karibischen Plantagen und Manufakturen zur Veredlung nach Europa. Flensburg – damals eine dänische Stadt, wie auch Altona bei Hamburg – erlebte dadurch eine wirtschaftliche Blüte. An die Zeit der Westindienfahrer und der ausbeuterischen Plantagenwirtschaft erinnert heute der Rundgang auf der Rum & Zucker Meile.

Høgensborg,_Plantation,_St._Croix,_Danish_West_Indies

Frederik von Scholten (1784 – 1854): The Høgensborg estate on St. Croix, Danish West Indies (1838). Photo: M/S Museet for Søfart – Maritime Museum of Denmark .

Dänemark begeht dieses Jahr das sogenannte Centennial: 1917 verkaufte es die Inseln St. Thomas, St. Croix und St. John an die USA, seither bilden die Inseln die Amerikanischen Jungferninseln. Seit 1666 hatte es dort dänische Handelsniederlassungen gegeben, 1754 bemächtigte sich die dänische Krone der Inseln.

Mit dem Centennial bringen verschiedene dänische, karibische und US-amerikanische Institutionen nun diesen Teil der Kolonialgeschichte ins öffentliche Bewußtsein zurück. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Dänische Nationalarchiv, das seine Materialien zu Dänisch-Westindien komplett digitalisiert hat und seit März 2017 freien Zugriff ermöglicht. So haben HistorikerInnen aus der Karibik erstmals Zugriff, ohne die lange Reise nach Kopenhagen auf sich zu nehmen und Familien aus der Karibik können ihren Ursprüngen nachgehen. Über die heutigen Auswirkungen des Kolonialismus, über die neu gewonnene Präsenz der Kolonialgeschichte und über die Bedeutung des Nationalarchivs und seiner Aktivitäten berichten karibische und dänische Intellektuelle und KünstlerInnen z.B. in mehreren Features des Deutschlandfunk.

Das IAI stellt seinen NutzerInnen mit Caribbean History and Culture und Caribbean Newspapers zwei große Datenbanken zur Verfügung, die sprach- und nationenübergreifende Forschung zur Karibik ermöglichen. Auch die detailreichen Schilderungen des Herrnhuter Missionars Christian Georg Andreas Oldendorp von 1777 sowie sein Wörterbuch finden sich im Original, im Reprint und als elektronische Ausgaben im Bibliothekskatalog des IAI.

Dieser Beitrag wurde unter Digital, Kultur abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s