Comics # 6 Neues Jahr, neuer Comic – Die mikroskopische Welt des Profesor Planeta

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Nach der Weihnachtspause melden wir uns mit einem neuen Beitrag in unserer kleinen Comicreihe zurück. Machten wir Sie vor den Feiertagen mit unter-schiedlichen Kindheitshelden bekannt, wagen wir nun einen Ausflug in die Welt der Wissenschaft, genauer:  zur Insel Cerebrum (lat. Gehirn). Auf Landkarten sucht man diese Insel vergeblich, denn weder handelt es sich bei dem Eiland um einen realen Ort, noch ist dieses für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Name könnte allerdings nicht treffender sein: Das fiktive Insellaboratorium ist zentrale Wirkstätte für eine Reihe an Wissenschaftlern, die sich der Erforschung biomedizinischer und technischer Phänomene widmen. An der Spitze dieses illustren, internationalen Gremiums steht der hochintelligente wie mutige Profesor Planeta, dessen Abenteuer im gleichnamigen Science-Fiction-Comic erzählt werden.

Erschienen 1974 beim mexikanischen Editorial Posada, sollte die Reihe „Profesor Planeta“ seine Leserinnen und Leser einfach und verständlich an wissenschaftliche Phänomene heranführen. Ähnlich wie in der später erschienenen französischen Zeichentrickfilmserie „Es war einmal … der Mensch“ (1978), reist Profesor Planeta in Begleitung seiner Nichte Lilia ins Innere des menschlichen Körpers, um wissenschaftlichen Hypothesen und Körperphänomenen auf den Grund zu gehen. Startpunkt ist stets Cerebrum, das bedeutendste Wissenszentrum der Welt, wo das Team auf mikroskopische Größe geschrumpft wird und ihm die neuesten wissenschaftlichen Errungenschaften zur Verfügung gestellt werden.

Ausgestattet mit diversen Utensilien machen sich die beiden auf, einen vom Verlust seines Geschmackssinns geplagten Wissenschaftlerkollegen zu kurieren und begeben sich bei diesem Abenteuer weit in dessen Mundhöhle hinein. Ein anderes Mal stellen sie sich Grippeviren in den Weg, die sich als monströse Ungetüme im Körper ausbreiten. Mag diese Beschreibung schaurig und zuweilen abstoßend erscheinen, so helfen die zahlreichen bunten, lebhaften Zeichnungen über mögliche erste Berührungsängste der Leserinnen und Leser hinweg. Sinnesorgane wie Auge und Zunge werden in dieser Comicreihe überdimensional groß und farbenfroh in Szene gesetzt, so dass Biomedizin und ihre Errungenschaften im besten Licht erscheinen. Die Körperexpeditionen, bei denen zeitgemäß große Raumfahrthelme, wundersame Kapseln, Taucherglocken, aber auch Schwerter eingesetzt werden, kommen so als kuriose Mischung aus Mondlandung und humboldtsche Entdeckungsreisen daher.

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Damit bietet „Profesor Planeta“ interessante Einblicke in die Art und Weise, wie Wissenschaft, ihre Re-präsentantinnen und Repräsentanten sowie Forschungskulturen in der me-xikanischen Populärkultur der 1970er Jahre dargestellt wurden. Im Kontext des Kalten Krieges wird mit Cerebrum eine solidarische Parallelwelt entworfen, in der Wissenschaft eine apolitische Funktion zugeschrieben wird. Profesor Planeta, der im Gegensatz zu seinen durchweg männlichen Wissenschaftlerkollegen über keinen Eigennamen verfügt, verkörpert dabei den Idealtypus des neutralen Wissenschaftlers, der im Sinne der gesamten Menschheit agiert und das auf Cerebrum arbeitende Personal stets an ihren humanitären Auftrag erinnert. Doch frei von Wertigkeiten ist auch diese Wissenschaftskultur nicht: So mag es kein Zufall sein, dass derjenige Forscher, der eine Grippewelle auf Cerebrum nicht als solche erkennt und seinen erkrankten Kollegen stattdessen Sabotage unterstellt, einen russisch klingenden Nachnamen trägt. Profesor Planeta dagegen wird seinem Namen entsprechend als staatenlose, alterslprofesor_planeta_t.1_núm3ose Figur gezeichnet, und erscheint mal mit blonden Haaren, mal mit braunen Augen. Einen Bezug zum mexikanischen Kontext ergibt sich über die Figur der Lilia, die stereotypisch als junge Latina mit dunklen Haaren und weit ausgeschnittenem Dekolleté abgebildet wird und ein männliches Publikum ansprechen sollte.

Ob „Profesor Planeta“ eine breite Rezeption fand, bleibt allerdings ebenso offen, wie die Frage, wie lange die Comicreihe erschien. Anders als „Kalimán-El Hombre increíble“, der in ganz Lateinamerika populär war, scheint „Profesor Planeta“ weniger bekannt zu sein. Vermutlich wurde die Reihe, die ab Juli 1974 alle 14 Tage erschien, auch bereits nach 10 Heften im November 1974 wieder eingestellt. Umso mehr freuen wir uns, dass wir neben den populären lateinamerikanischen Comics auch unbekanntere Reihen, wie „Profesor Planeta“, zu den Bibliotheksbeständen des Ibero-Amerikanischen Instituts zählen können. Besonders ist zudem, dass Sie alle im Jahr 1974 erschienenen Hefte ohne Lücken im IAI finden, denn selbst so manche Nummern bekannter Comicreihen sind schwer erhältlich. Die Abenteuer des Profesor Planeta auf Cerebrum  können Sie dagegen über den gesamten Erscheinungsverlauf verfolgen.

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