Gemeinsam im Einsatz für qualitätsgesicherte Zeitschriften – Der Latindex-Katalog 2.0

Ein Verzeichnis aller akademischen Zeitschriften aus und über Lateinamerika – daran arbeitet seit 1995 das internationale Kooperationsprojekt Latindex. An Latindex sind inzwischen Einrichtungen aus 24 Ländern, größtenteils aus Lateinamerika und der Karibik selbst, beteiligt. Auch das Ibero-Amerikanische Institut ist Teil des Projekts, und zwar als verantwortliche Institution für alle Zeitschriften aus den europäischen Ländern.

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Seit 2002 setzt sich Latindex auch aktiv für die Qualitätssicherung und -verbesserung der erfassten Zeitschriften ein: Ein Latindex-Katalog wurde ins Leben gerufen, in den nur solche Zeitschriften aufgenommen werden, die bestimmte Kriterien erfüllen.

Um den zahlreichen Veränderungen Rechnung zu tragen, die seit 2002 im wissenschaftlichen Publikationswesen stattgefunden haben, wurde dieser Kriterienkatalog in diesem Jahr grundlegend überarbeitet – und aus dem Catálogo 1.0 wurde der Catálogo 2.0, in den grundsätzlich nur noch elektronische Zeitschriften aufgenommen werden.

Nach Veröffentlichung dieser neuen Kriterien Mitte Oktober arbeiten die beteiligten Institutionen nun daran, alle in Latindex verzeichneten elektronischen Zeitschriften den neuen Kriterien zu unterziehen: Mit knapp 8.200 Titeln betrifft dies etwa ein Drittel der insgesamt verzeichneten  26.000 Zeitschriften. Am Ende des Prozesses steht ein Catálogo 2.0, in dem alle Zeitschriften zu und aus Lateinamerika verzeichnet sind, die den aktuellen Anforderungen an elektronische Zeitschriften entsprechen.2

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¡BOOM! ¡GR-RRRONG!¡UF! – Lateinamerikanische Comics

 „Das Einzige, was ich in meinem Leben bedauere, ist, keine Comics gezeichnet zu haben!“ – so brachte der spanische Künstler Pablo Picasso seine Faszination für dieses Medium auf den Punkt. Nicht nur Picasso, der zeitlebens gerne Comics las, sondern auch zahlreiche Menschen rund um den Globus greifen täglich zu diesem vielseitigen Medium, das Erzählungen in sequenziellen  Bildfolgen präsentiert. Ab wann eine Bild-Text-Folge als Comic zu bezeichnen ist, welche mediale Eigenschaften – die Verwendung von Sprechblasen und Onematopoesien oder der serielle Massencharakter – den Comic ausmachen, und ob bereits der Wandteppich von Bayeux aus dem 11. Jahrhundert zu dieser Gattung zu zählen ist, wird bei ForscherInnen durchaus kontrovers diskutiert. Unumstritten ist indes, dass sich der Comic im ausgehenden 19. Jahrhundert als Massenmedium etablierte und spätestens mit dem Aufschwung der US-amerikanischen Superhelden in den 1930er Jahren seinen Durchbruch feierte. Heute ist die als „Neunte Kunst“ bezeichnete Mediengattung nicht mehr wegzudenken. Ob Mangas, Graphic Novels oder Comic-Strips, dieses Massenmedium findet diverse künstlerische Formen und regionale wie nationale Ausprägungen.

Welche Wege beschritt diese Mediengattung in den lateinamerikanischen Ländern? Und welche Geschichtsrepräsentationen lassen sich in diesen Historietas finden? Diesen Fragen widmet sich der bei Iberoamericana neu erschienene Sammelband „Historias e historietas. Representaciones de la historia en el cómic latinoamericano actual„. In diesem druckfrischen Band haben die Herausgeber Dr. Katja Carrillo Zeiter und Dr. Christoph Müller Beiträge zusammengestellt, welche die Vielfalt dieses Mediums und seiner Geschichten in den Amerikas dokumentieren. Die Analysen, unter anderem zu Paraguay, Kuba oder Mexiko, zeigen hierbei, dass Comics nicht nur vergnüglich sind, sondern auch eindrucksvolle Einblicke in Geschichtskulturen bieten.

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Die in diesem Sammelband vertretenen ForscherInnen konnten bei der Vorbereitung ihrer Beiträge auch auf die Bibliothek des Ibero-Amerikanischen Instituts (IAI) zurückgreifen: So finden sich im IAI historische wie zeitgenössische Comics zu und aus Lateinamerika, von denen wir einige in den kommenden Wochen vorstellen werden. Selbstverständlich in Form einer kleinen Reihe, denn ein Comic kommt selten allein.

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Zu Besuch bei den Nachbarn: das IAI auf dem Hispanistenkongress in Groningen

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Foto: Fruggo (Wikimedia Commons, CC BY 1.0)

Wir freuen uns darauf, auf dem  8. Internationalen Kongress AHBx (Asociación de Hispanistas de Benelux) präsent zu sein. Er findet am 1. und 2. November 2018 in der alten, traditionsreichen Universitätsstadt Groningen statt und blickt unter dem Thema „The Humanities in the age of the Digimodern User” direkt in die Zukunft.

Christoph Müller und Ulrike Mühlschlegel halten dort einen Vortrag, der die Verbindungen zwischen WissenschaftlerInnen und Bibliotheken im Zeitalter der digitalen Texte näher untersuchen soll:

El texto digital, el investigador y la biblioteca: un campo de interacción de la era digital

La era digital tiene un impacto profundo en el texto como uno de los objetos centrales de la filología. Esto afecta tanto la disponibilidad de los textos como las posibilidades técnológicas para su estudio, éstas últimas subsumidas bajo Humanidades Digitales: La mobilización tecnológica de obras, colecciones y conocimiento tiene como resultado el desarrollo de nuevos métodos de investigación tanto de las obras mismas como de las prácticas investigativas en las áreas de ciencias culturales o sociales.

La presentación quiere enfocar la interacción entre el investigador como usuario, el texto digital o digitalizado como objeto de estudio y las bibliotecas como proveedoras de estos textos digitales y productores de objetos digitalizados: ¿Cuáles son los criterios para la digitalización de textos antiguos y modernos y cómo puede intervenir el investigador en este proceso? ¿Cuáles son las nuevas posibilidades que la disponibilidad electrónica brinde a investigadores, docentes y estudiantes? ¿Qué método tecnológico se presta para cuál texto?

A partir de estas cuestiones queremos presentar casos prácticos que puedan servir de posibles modelos y así entrar en un diálogo con los investigadores, usuarios y docentes presentes sobre cuáles son sus necesidades con respecto a los textos y a otros objetos digitales y cómo pueden entrar en interacción con los archivos y bibliotecas que ponen a disposición estos materiales.

 

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Aus der Scheibenwelt: das Schallplatten-Archiv der Biblioteca Nacional de España

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Quelle: BNE / BOLETIN INFORMATIVO ELECTRONICO
del Centro de Estudios sobre Bibliotecologia de la Sociedad Argentina de Informacion, Nr. 153 (2018)

Die spanische Nationalbibliothek bewahrt eine der größten Schallplatten-Sammlungen des Landes auf, die ca. 300.000 Aufnahmen umfasst. Die Ursprünge dieser Sammlung gehen auf das Jahr 1958 zurück, als das Pflichtexemplarrecht für Tonträger eingeführt wurde, welches vorschrieb, eine Kopie jeder veröffentlichten Tonaufnahme in der BNE zu hinterlegen. Inzwischen sind fast 20.000 Musikstücke digitalisiert und können online abgerufen werden.

Die Schallplatte aus Vinyl verbreitete sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts rasch und verdrängte dank ihrer Materialeigenschaften schnell ihren Vorgänger: die Schellackplatte mit 78 Umdrehungen pro Minute. Trotz des Niedergangs, den die Schallplatte durch das Erscheinen anderer Formate wie zunächst Kassetten und später CDs erlitt, blieben Vinylplatten als Liebhaberstücke weiterhin gefragt. Inzwischen steigt die Nachfrage wieder an und es eröffnen wöchentlich im Retro-Style gestaltete Läden, die LPs verkaufen.

Das Aussehen der Schallplatten war nicht immer auf das klassische runde, schwarze Format beschränkt, es gibt eine große Vielfalt an Größen, Farben oder Formen. Die Größe der Platte bestimmt ihre Abspieldauer, dabei sind die gängigsten Maße 30 Zentimeter für Alben und 18 Zentimeter für Singles. Es gibt Schallplatten jedoch mit Größen von 5 bis 50 cm. Die Oberfläche der Platten kann abwechslungsreich gestaltet sein: Beispiele für diese picture discs sind Platten mit Fotos, bunten Drucken oder sogar kaleidoskopartig angeordneten Spiegeln.

Im Tonarchiv der Biblioteca Nacional de España werden aber nicht nur Musikaufnahmen aufbewahrt, sondern auch Radioprogramme oder Dichterlesungen. Lesen Sie im Blog der BNE über das Archivo de las Palabra und seine großen Stimmen.

Auch in der Phonothek des IAI mit ihren über 40.000 Tonträgern finden Sie Schellack-Platten, alte und moderne Vinylplatten, kuriose Schallfolien und andere Tonträger … und natürlich immer das geeignete Abspielgerät dazu.

 

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Zapoteco, Tepehuano, Triqui und mehr…

Die indigene Sprachen Amerikas, ihre Dokumentation und ihre Erforschung stellten bereits in den Gründungsjahren des Ibero-Amerikanischen Instituts ab 1930 einen Schwerpunkt seiner Sammlungen dar. Heute finden sich umfangreiche linguistische Materialien unter anderem in den Nachlässen von Eduard Seler, Walter Lehmann, Konrad Preuss, Karl Theodor Sapper und Maria Schwauß. Die Phonothek hat Sprachkurse in Quechua, Guaraní, yukatekischem Maya und vielen weiteren Sprachen sowie Audio-Dokumentationen zahlreicher indigener Sprachen. In der Bibliothek finden sich von kolonialzeitlichen Wörterbüchern bis zu heutiger Prosa Texte in fast allen indigenen Sprachen des Kontinents sowie wissenschaftliche Fachliteratur dazu.

Die neuesten Erwerbungen der Bibliothek vervollständigen die Serie des Instituto Lingüístico de Verano (ILV) mit Grammatiken und Wörterbüchern der indigenen Sprachen Mexikos. Die frisch eingetroffenen Bücher beschäftigen sich mit dem Zapotekischen, Mixtekischen, Amuzgo, Triqui, Tepehuano, Chinanteco und lacandonischen Maya, sie stehen unseren Leserinnen und Lesern in Kürze zur Verfügung.

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Scherenschnitte aus der Sierra Madre: zwei Amate-Bücher aus dem Nachlass Köhler

Im Nachlass des Altamerikanisten Ulrich Köhler fanden sich zwischen akademischen Werken, faksimilierten Codizes und Belletristik auch zwei von Hand gestaltete Bücher aus dickem Papier. Die Aufschriften lauten:

Historia de una vivienda para hacer una ofrenda al Santo Tecuil
Este ejemplar se terminó de imprimir el dia 15 de abril de 1981 por el autor y curandero Alfonso García Tellez
San Pablito, Pahuatlan, Pue.

und

Historia de la Curación de Antigua de San Pablito, Pahuatlán Puebla
Autor Sr. Alfonso García Tellez
10 de agosto de 1978

Objekte wie diese zeigen die Kontinuität traditioneller Praktiken im täglichen Leben der Otomi und Nahua in Mexiko: Auf Amate-Papier, hergestellt aus der inneren Rinde des Ficus-Baums, werden exakt symmetrische, aus eingefärbtem Papier ausgeschnittene Figuren aufgeklebt, die Götter darstellen. Bereits in präkolumbischer Zeit waren die aus der Rinde des auch Xalama genannten Baumes gefertigten und leporello-artig gefalteten Papiere Träger des Wissens und der Überlieferung. Im Dorf San Pablito, mitten in der Sierra Madre gelegen, hat sich diese Tradition erhalten. Noch heute fertigen die EinwohnerInnen dort etwa 200 Bücher pro Monat an. Die ausgeschnittenen, braun gefärbten oder weißen Papierfiguren wiederum sind weiterhin als Amulette, für Liebeszauber oder auch Verwünschungen Teil der Volkskultur.

Fotos: Annika Hartmann

Entweder auf Anregung der Dänin Bodil Christensen, die seit den 1950er Jahren immer wieder durch die Region reiste, oder inspiriert durch den deutschstämmigen und in Mexiko lebenden Papierfabrikanten Hans Lenz, der über Amate forschte und publizierte, begann der Heiler Alfonso García Tellez zwischen 1975 und 1978 Texte über seine traditionellen Praktiken aufzuschreiben. García Tellez stammt aus einer Familie, die seit vielen Generationen die Heiler des Dorfes San Pablito und seiner Otomí-Gemeinschaft stellte. Nun schrieb er sein Wissen auf Spanisch nieder und ließ es handschriftlich auf die gefalteten Amate-Streifen übertragen. Jedes so hergestellte Buch, verziert mit den Gestalten der Götter, Dämonen und Geister, ist ein Unikat.

Weiterführende Literatur:

Umfangreiche Informationen zum Amate-Papier, zur Tradition der Buchherstellung in San Pablito sowie Analysen der einzelnen Exemplare und eine ausführliche Bibliographie bietet
Mayer, Karl Herbert: Amate manuscripts of the Otomí of San Pablito, Puebla. In: Mexicon 34:6 (2012), 130-135.

Einen stimmungsvollen Bericht aus dem Dorf liefert
Saravia Krohne, Beatriz: Hechizo sobre Papel. In: El Tiempo, 21 de septiembre 1992.

Weitere Exemplare dieser Bücher sind verzeichnet und beschrieben bei

Newberry Library, Chicago
British Museum, London
Sammlung Paulo Herkenhoff, Brasilien

 

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Literaturpreis für Maryse Condé

Nein, der Nobelpreis ist es dieses Jahr nicht. Nach internen Querelen und strafrechtlichen Prozessen in ihrem Umfeld verordnete sich die für die Verleihung des Literaturnobelpreises zuständige Schwedische Akademie 2018 eine Pause und vergab keinen Preis. Dafür rief eine Gruppe schwedischer Kulturschaffender den Neuen Literaturpreis, auch Alternativen Literaturpreis genannt ins Leben. Die Bezeichnung ist gewollt oder ungewollt nahe am prestigeträchtigen Alternativen Nobelpreis, der aber wiederum offiziell Right Livelihood Award heißt. Bemerkenswert ist auch das Auswahlverfahren:  schwedische BibliothekarInnen erstellten eine Liste von 47 KandidatInnen. Aus diesen wurden in einer Online-Abstimmung mit über 33.000 Beteiligten die FinalistInnen – darunter auch Kim Thúy (Kanada), Neil Gaiman (Großbritannien) und Haruki Murakami (Japan) – ausgewählt. Die Preisträgerin wurde schließlich von einer vierköpfigen Jury bestimmt.

Die Entscheidung fiel auf die Autorin Maryse Condé von der französischsprachigen Karibik-Insel Guadeloupe. 1937 geboren, absolvierte sie ihr Studium in Paris und schloss es mit einer Doktorarbeit ab. Anschließend verbrachte sie mehrere Jahre in Westafrika, wo sie Themen, Figuren und Geschichten für ihre Bücher fand. Ihr literarisches Werk ist geprägt von den Themen Kolonialismus und Postkolonialismus. Maryse Condé war lange Jahre als Literaturprofessorin an der Pariser Sorbonne, an der Columbia University in New York und anderen Hochschulen tätig, inzwischen lebt sie wieder auf Guadeloupe.

Hören Sie zur Preisvergabe an Maryse Condé im Deutschlandfunk „Eine gute Entscheidung“ – ein Gespräch von Wiebke Porombka und Kolja Mensing mit Axel Rahmlow

und finden Sie Literatur von und über Maryse Condé im Bibliothekskatalog des Ibero-Amerikanischen Instituts.

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